Auf einen Kaffee mit Susanne

Liebe Freunde des Kombinats,

kurz vor dem Wochenende treffen wir Susanne von Hellwage Wissenschaftskommunikation um über sie und ihre Arbeit zu sprechen. Natürlich haben wir ein Stückchen Kuchen zum Gespräch mitgebracht.

 

Susanne: Gut, dass du mich noch erwischst. Ich fahre in zwei Tagen in Urlaub.

Kombinat: Du arbeitest selbstständig und fährst in Urlaub?

(Lacht) Natürlich. Wieso? Erstaunt dich das?

 

Nun, mir wird dauernd erzählt, dass man alles selber machen muss.

Ja, selbst und ständig. Ich habe mich ja selbstständig gemacht, um wieder Herrin meiner Zeit zu werden. Das war für mich ein ganz wichtiger Aspekt, weil ich zwei Kinder habe. Und mich auch mehr um meine leider nicht mehr ganz so gesunden Eltern kümmern möchte. Deswegen möchte ich selber bestimmen, wieviel und wann ich arbeite.

 

Die Selbstständigkeit war aber keine Notlösung?

Nee, ich hatte auch andere Angebote gehabt. Habe mich aber bewusst dafür entschieden.

 

Du arbeitest in der Wissenschaftskommunikation. Was kann man sich darunter vorstellen?

Ich biete Kommunikationsberatung und die ganze Palette an Kommunikationsdienstleistungen an. Also auch klassische Öffentlichkeitsarbeit. Mein Schwerpunkt ist Texten. Deswegen bin ich sehr froh, entsprechende Partner hier im Kombinat zu haben, die mich im Bereich Grafik und Programmierung unterstützen. Im Falle, dass der Kunde ein Full-Package haben möchte.

Am meisten werden aber im Moment Beratungsleistungen nachgefragt. Ich gebe Workshops für Gruppen und Einzelpersonen über maßgeschneiderte Kommunikationsaktivitäten.

 

Manche werfen der Wissenschaft vor, dass das Wissen nicht das Labor die oder Bibliothek verlasse. Hast du es dir zur Aufgabe gemacht, dieses Wissen nach außen zu tragen?

Auch. Ich habe lange für das Institut für Photonische Technologien die Öffentlichkeitsarbeit gemacht und genau in so einem Stadium angefangen. Es gab da noch keine Öffentlichkeitsarbeit. Es gab zwar einen Jahresbericht, der war aber für Nicht-Fachleute recht unattraktiv. Aber man hatte den Gedanken, die Öffentlichkeit bezahle schließlich die Forschung, habe also ein Recht darauf, in verständlicher Form zu erfahren, was geforscht wird. Das ist ja der Trend der letzten Jahre, dass Institutionen umfangreichere Jahresberichte und mehr Öffentlickeitsarbeit machen. Als ich anfing, war es nicht einfach, den Wissenschaftlern den Nutzen dieses Mehraufwandes aufzuzeigen. Inzwischen aber ist es ganz selbstverständlich und in den Köpfen aller Beteiligten verankert. Es gibt die „Langen Nächte der Wissenschaft“ und zahlreiche andere Aktionen, wie jüngst in Jena die „Lichtspiele“, eine große Ausstellung mit Shows und Experimenten zum internationalen Jahr des Lichtes in der Innenstadt. Das ist alles Öffentlichkeitsarbeit.

 

Das ist alles Öffentlichkeitsarbeit?

Na klar! Öffentlichkeitsarbeit ist nicht nur Presse, es hat auch viel mit direkter Kommunikation zu tun. Seien es Veranstaltungen mit der sogenannten „Interessierten Öffentlichkeit“, oder auf Messen, oder dass man Politiker- und Wirtschaftsdelegationen ins Haus holt. Es gibt verschiedene Kanäle, wie ich meine Zielgruppe ansprechen kann. Das ist eben Teil meiner Beratungsleistung: Zielgruppenanalyse, Identifikation der passenden Kommunikationsinstrumente. Wichtig ist, dass der Kunde genau die Kommunikation bekommt, die er braucht. Gerade die kleinen Firmen und öffentlich geförderte Forschungseinrichtungen haben nicht unendlich Geld und oft sehr spezielle Zielgruppen. Kommunikation nach dem Prinzip Gießkanne oder Schema F wäre da völlig falsch.

 

Scheint, als würde die Branche wachsen.

Auf jeden Fall. In den letzten zehn Jahren hat sich das rasant entwickelt. Kein Forschungsinstitut mehr ohne Öffentlichkeitsarbeit. Interessant ist, dass die eigentlichen Wissenschaftsjournalisten sich von der institutionellen Wissenschaftskommunikation überrannt fühlen. Sie sagen, dass mancher Jahresbericht mittlerweile so aussieht wie GEO, oder Bild der Wissenschaft. Genau so bunt, genauso spannend aufgemacht. Wie soll der Leser unterscheiden können zwischen Selbstdarstellung einer Einrichtung und einem unabhängigen journalistischen Medium? Darüber wird in der Branche viel diskutiert.

 

Was liegt grade auf deinem Schreibtisch? Woran arbeitest du im Moment?

In den letzten zwei Wochen hat mich der Produktlaunch einer kleinen Biometrie-Firma hier in Jena beschäftigt. Dazu habe ich die gesamte begleitende Pressearbeit gemacht. Außerdem halte ich am Wochenende am Rande eines internationelen Fachkongresses zusammen mit einem Berliner Kollegen einen Workshop zu Kommunikation von HighTech Themen. Dazu habe ich heute die letzten Folien bearbeitet.

 

Das klingt, als würdest du alles ziemlich gut hinkriegen. Warst du schon früher selbstständig? Vielleicht in deiner eigenen Ausbildungsphase?

Ich habe früher als Wissenschaftsredakteurin angefangen und hatte immer nur halbe Stellen gehabt. Daneben habe ich als freie Journalisten gearbeitet. Aber das ist etwas anderes, denn da hatte ich keine Struktur. Ich habe einfach anlassbezogen gearbeitet. Zum Beispiel: ich wohnte da noch in Hamburg wenn dort ein wissenschaftlicher Kongress stattfand, habe ich die Berliner Zeitung angerufen und gefragt, ob sie einen Korrespondenten dort haben oder ob ich ihnen die Geschichte schreiben soll. Das läuft ohne jegliche feste Vereinbarungen. Für mich war das so nebenbei ideal, aber auf Dauer braucht man natürlich auch als freier Journalist Strukturen und möglichst feste Kunden.

 

Du hast bei uns die Gründerwerkstatt durchlaufen. Was hast du dir da genau erarbeiten können?

S: Also, wenn man die Idee hat, sich selbstständig zu machen, und sich in seinem Metier ganz zu Hause fühlt, besteht ja die Gefahr, zu denken, ich kann da ja alles, ich weiß ganz genau, wie’s läuft. Wenn es aber ernst wird, findet man schnell Lücken und Unsicherheiten. Und da haben mir besonders die Workshops mit Inka und Kristin geholfen. Es ist äußerst hilfreich, Sparringpartner zu haben mit denen man alles mal durchdiskutieren kann. Und die auch ganz ehrliche Kritik äußern. Auch in praktischen Fragen, wie man seine Angebotsgestaltung macht oder wie man sich in Verhandlungen verhält, hat mir sehr geholfen. Das wirklich wertvolle war aber, sowohl von den guten Erfahrungen als auch von den Fehlern anderer zu lernen.

 

Wir danken dir vielmals für das aufschlussreiche Gespräch und wünschen dir einen schönen Urlaub. Wo geht’s denn hin?

Ich fahre mit meiner Familie in die Lüneburger Heide auf einen Bauernhof bei Celle. Es ist ein echter Kinder-dürfen-sich-was-wünschen-Urlaub mit Schwimmen, Reiten, Tiere streicheln. Wir haben festgestellt, dass, wenn es den Kindern richtig gut geht, es auch den Eltern gut geht.

 

Wir hingegen haben festgestellt, dass, wenn es unseren Coworkern gut geht, es uns auch gut geht.

In diesem Sinne verabschieden wir uns in ein angenehmes Wochenende,

euer Kombinat--Süd

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