Karriereleiter für eine Mastgans

Liebe Freunde des Kombinats,

soeben hat der neue Thüringische Ministerpräsident seinen Eid geschworen und wird von nun an unser Land regieren. Die Empörung über einen demokratisch gewählten Ministerpräsidenten könnte nicht größer sein. Wahrscheinlich ist den Verantwortlichen das alles vollkommen egal, aber wir als Konsumenten einer Politiktheaterveranstaltung sollten da ruhig mal genauer hinschauen. Anne Will (WAS will sie?) hat gestern vier Gäste in ihre Sendung eingeladen und auf „Teufel komm raus“ versucht aus der Linkspartei eine Ansammlung von Stalinisten zu konstruieren. Dabei war wirklich kein Vergleich zu absurd und keine Verleumdung zu peinlich. Zuzuschauen war ab einem Punkt irgendwann nicht mehr möglich, die Fremdscham und das intellektuelle Vakuum einfach zu groß. Wolfgang Bok leistete einen Offenbarungseid und sein Gesicht verriet irgendwann sehr deutlich, dass er sich wohl leicht vergaloppiert haben musste.

Und als ob das ein Zufall wäre, beginnt heute die „Erntezeit“ für Mastgänse und Mastenten. Monatelang wurden sie auf das Maximum vollgestopft und dann ist plötzlich alles aus. Licht aus. Ton aus. Alles aus. Das Ganze dauert ein paar Sekunden und die Gans wird mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die sie wahrscheinlich so nicht erwartet hat. Ein Leben lang haben sie ihr erzählt, sie soll immer fein aufessen, sich bloß nicht so viel bewegen. Um Gottes Willen soll sie ausgelassen und fröhlich rumtoben. Man ist eine gute Gans, wenn man den ganzen Tag frisst und bloß keine Fragen stellt. So eine Gans geht, wenn man so will, denselben Leuten auf den Leim, wie wir Menschen in unserer Karriere auch oft. Jemand anders sagt uns, wo die Karriereleiter für mich steht und wie viel Zeit ich habe, hinaufzuklettern. Einen Schritt vor den anderen. Erst links, dann rechts und irgendwann am Ende der langen Leiter, wenn ich immer alles richtig mache und mir keinen Fehltritt leiste, ja dann werde ich belohnt. Wahrscheinlich erzählen sie der Gans in ihrer Gesellschaft auch, dass wenn sie schön fett ist, jemand kommt und sie in einen Schwan verwandelt. Irgendsoeine „Riester-Gans“ wird es da sicher geben!

In der Bundesallee in Berlin steht eine wunderbare Skulptur von Peter Lenk. Sie zeigt eine freistehende, in den Himmel ragende Karriereleiter, auf der sich drei Menschen bewegen. Der eine fängt unten an und wird von einem weiteren Aspiranten versucht runterzutreten. Am Ende der Leiter hängt jemand über der letzten Sprosse und weiß offensichtlich nicht weiter. Wohin, wenn man einmal oben angekommen ist? Wie geht es denn nun weiter auf dieser Leiter? Etwa wieder runter auf den Boden der Tatsachen? Dorthin zurück, woher ich kam? In die Mitte einer Gesellschaft und zwischen all diese Fremden?

Die Antwort ist relativ einfach: Ja, wenn du nicht den Rest deines Lebens auf der letzten Sprosse hängen bleiben willst, dann wird dir wohl nichts anderes übrig bleiben! Du wirst zurück müssen. Vorbei an allen einzelnen Sprossen. Du wirst jeden Ellenbogenhieb ein zweites Mal spüren und du wirst irgendwann erkennen wahrscheinlich, dass es gar nicht verkehrt ist, festen Boden unter den Füßen zu haben.

Egal wie eure Karriereleiter aussieht. Ob wie ein Hamsterrad oder der Zopf von Rapunzel.. Fakt ist, eine Leiter macht erst in dem Moment Sinn, in dem man sie benutzt, um ein höheres Ziel zu erreichen. Dann muss man aber auch absteigen. Mit anderen Worten: Eine kluge Gans macht Diät ein paar Wochen vor dem ersten Advent. Entweder man kann sie als Festmahl nicht gebrauchen oder aber sie kriegt ihren Stiezarsch sogar über den Zaun gehoben und fliegt einfach weg. Fakt ist, in diesem Leben sagt der Gans niemand mehr, was sie zu tun oder zu lassen oder zu fressen hat. Sie macht ihr eigenes Ding und das findet nur einer doof eigentlich. Und das ist Bauer Frank, der sie eigentlich schön teuer verkaufen wollte. Na und? Dann hat er Pech. (Schöne Geschichte, wenn heute auch nur eine Ganz noch mit einem Beil verfolgt werden würde. Leider wird der Gans gar nicht mehr die Möglichkeit gegeben, sich selbst auf Diät zu setzen. Das verhindert der Pumpschlauch in ihrem Hals. Aber davon zu berichten, die Gänse kopfüber an ein Förderband zu hängen und in ein Elektrobecken zu halten, hätte unserer Geschichte zu viel Realitätsnähe gegeben.)

Wir im Kombinat essen gern Gänsebraten und wir freuen uns schon drauf. Aber wenn uns eine Gans auf den Tisch kommt, möchten wir sie gefälligst selbst in ein Elektrobad halten. Das Wochenende vor der Tür werden wohl die ersten Plätzchen gebacken. Und da lob ich mir die kleinen Kinder von backenden Müttern, die ehrlich wie sie nun mal sind, gern im Kindergarten davon berichten: „Also meine Mutti macht immer zwei Bleche mit Plätzchen. Ein schwarzes für die Schweine und eins für uns.“

Wir wünschen allen Gänsebraten ein schönes Wochenende und melden uns wieder am Montag. Bis dahin seid ihr nochmals herzlich daran erinnert, dass heute wieder ein Konzert in unserem Gebäude stattfindet. 20 Uhr YASKA und FOUR PHONICA. Ihr seid herzlich eingeladen.

Freundliche Grüße, Tritratrallalla.

Euer Kombinat Süd.

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