LandARTwandern im Gollichsgraben

Liebe Freunde des Kombinats,

heute lassen wir uns von Lars von Polten Wanderwelten entführen. Er besuchte mit tapferen Wanderern und Wanderinnen Ende März den Gollichsgraben. Zusammen hinterließen sie den ein oder anderen Blickfang im Tal zurück.

 

Im Dunkelwerden und heimgehen floskelten wir. Noch berauscht vom Geschaffenen und den Naturbildern. Den vielen Erwachsenen und Kindern. Wie es alles gepasst hat, als alle sich trafen, die meisten waren auch mit kleinen Kindern sehr pünktlich. Wie es dieses unbeschreiblich schöne Tal unterhalb Münchenrodas aufwärts ging! Boah, eine grüne Hölle der Lust und Lebensfreude, und gemeinsam und mit vielen Kindern draußen zu sein! Wie wir oben die Planen spannten, und vorher waren noch mehr eingetroffen, immer mehr Menschen, und wie wir das Essen ausbreiteten, und den Kocher anwarfen, und sich auf zwei Quadtratmetern das höchstwertigste Essen stapelte! Und nach dem Schmaus betteten sich manche, die meisten redeten ohne Unterlaß redeten, andere machten LandART. Es sprechen ein Wanderer und ein Spaziergangswissenschaftler.

 

Wanderer: Das Treffen zu organisieren hatte Spaß gemacht, auch wenn man viel am Telefon klebt, aber es lohnt sich. Punktgenau am Ende der selbstgesetzten Frist trafen wir am Abzweig Münchenroda ein, vom Waldweg des Forstes her kraxelte eine Familie durch den Wald auf uns zu, erste Autos hielten ein paar Minuten später, und nach diesen ganzen Hinwegen gab es eine erste Rast. Es war nun trocken in den Stunden vor dem Mittag, trotz Regenansage die Tage vorher, und einem ersten Nieselguss in den frühen Stunden beim Hellwerden. Mehr Autos, ein paar etwas Verspätete, auch ein Zwillingskinderwagen, und ich muss rechnen. Wir waren dann 15 Erwachsene und elf Kinder, und machten uns auf zum Tresor. „Tresor?“ Ja, ein kurzer Weg in die mossüberwucherte Fast-Schlucht hinein, und dann standen wir dort und schauten, was uns schon letztes Jahr überrascht hatte, als dann die Kripo hinzugezogen wurde: ein Kubikmeter großer Würfel aus weissem abgeblätterten und angerosteten Stahl mit Dreizackgriff und abgebrochenen Coderädern. Das Loch im Boden war diesmal erweitert worden. Jemand schien sich irgendwann darum bemüht zu haben, mehr ins Innere kommen zu können. Da standen wir dann, verliefen uns in Geschichten und ins Grüne. Das Moos hängt meterhoch in den Bäumen, bildet skurile Bärte. Ausspülungen der letzten Jahrzehnte haben ausgewaschene Pfannen geschaffen, an denen man klettern muss, oder meterhohe kehlartige Wände gebildet, in deren kleinen Höhlen sogar Vögel Nester bauen – natürlich aus Moos. “Ein grüner Orgasmus”, ruft jemand. “Da komme ich gleich nochmal” kommt die prompte Antwort. Bäume und Äste queren den Weg, und kletternd und tastend bahnt man sich den Weg talaufwärts. Wir lachen und staunen unentwegt.

 

 

Spaziergangswissenschaftler: Ja, es ist erstaunlich. [lächelt; dann ernst:] Bewegt man sich im naturhaften Raum ungeradlinig, unregelmäßig, unterbricht das Gehen im fast notgedrungenen Staunen und ständigem Reden – das automatisch einsetzt – hat mehrere Altersgruppen dabei, dann ist es während des Gehvorgangs und im Betrachten und Durchfühlen der abgeschlossenen Geh- und Erlebenssequenz ein qualitativ höher bewerteter Aufenthalt als andere, geradlinigere Aufenthalte. Der Eindruck von überwiegender Natürlichkeit entsteht durch die Abwechslung und Unfokussiertheit aller Elemente der Umgebung (Äste, Wegbeschaffenheit, Bewuchs in der einsehbaren Umgebung) innerhalb einer bestimmten Zeitspanne. Und es ist sinnvoll, immer unbekannte Wege zu gehen oder vom Weg abzugehen, im engeren und im weitesten Sinne.

 

Die komplette Geschichte und mehr Fotos von den Ereignissen beim LandARTwandern findet Ihr hier.

 

Wir wünschen eine Schöne Woche!

 

Euer Kombinat Süd

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