Mit den Sitzpolstern das Gras rumbiegen.

Stromern durchs Munketal auf die Hochfläche hinterm Napoleonstein am 28. Oktober.

So ein kurzer Ausflug sollte es werden, mit Essen, sitzen und den Herbst anschauen. Decke ausbreiten, reden, mit den Sitzpolstern das Gras rumbiegen, einen Schluck trinken, und irgendwie ausprobieren, wo die Knie sein können, oder ob man sich gar lang machen kann. Das wurde es auch. Und Sonne war auch noch satt. Wo wir hergekommen waren? Das Munktal hinauf, durch den Friedhof hindurch, hier und dort ein Abzweig noch zu alten Steinen und so weiter, und eben auf den Berg. – Oben jedenfalls und später dann zauberte ein Wandergast eine Flasche Sekt hervor. Richtig! Es war ja noch ein Geburtstag zu bestoßen, ups! Dann in die Rechte ein Stück Baguette, abgerissen oder geschnitten, und die Linke fingert aus dem Napf Aufstrich mit dem Messer, begleitet von Gelächter und Antworten in die eine, dann in die andere Richtung. Man belegt mit Antipasti, ganz, oder die andere Ecke mit Quittengelee. Dann verharrt man immer mal, wenn jemand was Interessantes erzählt. Weiter draufstreichen, abbeißen – dann ein Filmriß – weiß nicht mehr, was geschah. Wir kamen, als wir da so mitten in der Sonne saßen, auf Bergbau und Hangabrutschungen, aber was war noch? Drei verschiedene Gebäcksorten, rote Äpfel als Kontrast (schaut ihr unten, ge), Käsestücken und Fladenreste waren noch dabei. Na ja, anstrengungslose Aufmerksamkeit eben, Worte und Bemerkungen, Antworten und Fragen, Aufmerksamkeit und wildes Zuhören neben dem Essen, alles wechselt beständig. Zwischendrin steht immer jemand und fotografiert, zu den Blättern hin, oder den Baumgruppen, die so kunterbunt vor sich hin abblättern. Mal wühlt man in der Grasnarbe, befühlt neben all dem anderen irgendwelche Gräser oder alte Blütenstände. Fummelt herum, schaut, hört zu, schnappt sich einen nächsten, oder ein Blatt. Alles fühlt sich anders an. Mal eine Minute bei anderen Gedanken aus dem Tal, dann wieder in der Themenecke, dann mit dem Becher Kaffee an den Lippen, so eben. Der Weg hatte heute das Munketal aufwärts geführt, und mittendrin sind wir in einen alten Steinbruch über einen Weg entlang gegangen. Lose Schilder hatten rumgelegen, “Privatgrundstück”, ups. Den Hang sind wir entlang geschlendert, so auf halber Höhe, und ein konstanter Rauschpegel stand im Blut, und die Blicke schwirrten von einem schönen Detail zum anderen, und eigentlich gab es plötzlich gar keinen Weg mehr, ups. Also halbrechts hoch, irgendwie zu diesem berühmten und über einen Meter in seinen Ausgängen rausgeputzten Dachsbau hoch, aber der war nicht da, wir waren gleich ganz woanders. Dann einen Stein geschnappt, den restlichen freien Hang hochgetragen, und an den einen Steinturm gelegt. Ist es Aberglauben, Einbildung, Glauben, Esoterik, Patschworkreligiosität? Wer braucht schon Namen dafür. Na gut, manchmal. Auf der Freifläche ist wieder ein Filmriß im Gedächtnis. Eine Zigarette hatte ich angebrannt, und so ein bissel auf den Wind geachtet wegen der Nichtraucher. Und dann? Dann saßen wir schon, ein paar Kilometer weiter, und nachdem wir die Übungsminenreste angeschaut hatten. Dafür braucht man Namen! Sonst wirds tragisch. Am Ende des Essens taumelten wir ins nahe Waldstück über die Kuppe, trafen noch jemanden von Landwirtschaftsministerium – ja, das war dann noch ein Thema! – und gingen wieder bergab. Kurz, knackig, wie ein Lied im Lesen, und erfüllt für einen weiteren Tag.

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